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Januar 2005 | Sauberes Trinkwasser für Flutopfer
Kulmbacher + Kasendorfer Firmen liefern Wasseraufbereitungsanlagen nach Indonesien

Kulmbach - Krumme Fohre
Die Firma WET GmbH, Kasendorf, liefert in Kooperation mit der Firma WBG Wasserbaugesellschaft Kulmbach mbH Wasseraufbereitungsanlagen in die Krisenregion Indonesien. Wie Geschäftsführer Michael Otte von der WET erklärte, werde die Kasendorfer Firma 11 Ultrafiltrationsanlagen nach Sumatra liefern. Bereits Ende dieser Woche seien eine Musteranlage und 10 Bausätze versandfertig, die Auslieferung erfolge Anfang nächster Woche. Wir liefern das Know How, die Konstruktionspläne und ein Mitarbeiter wird die Software erklären. Der Kontakt nach Indonesien kam über Thomas Ziegler Geschäftsführer der WBG Wasserbaugesellschaft Kulmbach mbH zustande
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Bild von links nach rechts:
Roland Balzer, Geschäftsführer Richter Steuerungstechnik GmbH, Michael Otte Geschäftsführer W.E.T. GmbH und Richter Steuerungstechnik GmbH, Thomas Ziegler Geschäftsführer WBG Wasserbaugesellschaft Kulmbach mbH, Michael Reis Geschäftsführer W.E.T. GmbH, Werner Sauerschell, Geschäftsführer W.E.T. GmbH

 

Bereits vor mehr als 20 Jahren habe die Firma aus Indonesien in Lizenz damals für die mittlerweile geschlossene WABAG in Kulmbach gebaut.
Er habe Mitte 2004 die Geschäftskontakte aufgefrischt und nach dem Seebeben die Chance für die Zusammenarbeit genutzt.
Wichtig ist für uns die Hilfe zur Selbsthilfe, so Thomas Ziegler. Nur mit einem lokalen Partner könne auch eine beständige Funktionstüchtigkeit gewährleistet werden.
Finanziert wird das Hilfsprojekt von der Firma Trumpf Werkzeugmaschinen GmbH & Co. KG. Diese Firma mit Sitz in Ditzingen ist Hersteller von Hochleistungs-CO2- und Festkörperlasern, Werkzeugmaschinen und tragbaren Elektrowerkzeugen für die Blechbearbeitung.
Die firmeneigene gemeinnützige Berthold Leibinger Stiftung GmbH tritt als Auftraggeber der WBG auf.
Die Herstellung der Ultrafiltrationsanlagen wurde von den Firmen W.E.T. und WBG übernommen, für Logistik und Export zeichnet sich die Firma Trumpf zuständig. Wir geben diese 11 Ultrafiltrationsanlagen zum Herstellungspreis nach Indonesien, das ist unser Beitrag, so Thomas Ziegler, der stolz ist auf die innovative Lösung.
Die von uns gestellte Pilotanlage ist voll funktionstüchtig. Die entsprechende Software ermöglicht dem lokalen Partner die weiteren Anlagen dort zu installieren, wo die Wasserversorgung am wichtigsten ist. Die Anlage sei auf Süßwasser ausgerichtet.
Die Leistung betrage stündlich pro Anlage mindestens 500 l keimfreies Frischwasser. Das bedeutet: Bei einem pro Kopf Verbrauch von 15 l täglich und einem 24-stündigen Einsatz der Maschinen rund um die Uhr, kann ein Ort mit 800 Einwohnern komplett versorgt werden, so Michael Otte. Mit einem standardmäßigen 220 V Anschluss könne die Anlage an jede Steckdose angeschlossen werden. In einem ersten Schritt wird das Süßwasser keimfrei aufbereitet, das heißt das mit Fäkalien verunreinigte Flusswasser wird aufbereitet. Weiterhin ist vorgesehen auch Anlagen mit Ultrafiltrations- und Umkehrosmosemembranen bereitzustellen, die zur Aufbereitung von Meerwasser und/oder Meerwasserverseuchten Brunnen verwendet werden können, so Thomas Ziegler.
Nach seinen Ausführungen könnten die kleinen Anlagen flexibel an jedem Standort eingesetzt werden. Große Anlagen haben zwar eine höhere Produktion an Frischwasser, hätten aber das Problem der Verteilung über große Strecken. Wenn Kiesfilteranlagen in den Krisenregionen aufgestellt werden, muss mit sehr viel Chlor desinfiziert werden, unsere Anlagen liefern in kompakten Einheiten keimfreies Trinkwasser ohne Zusatz.
Als Subunternehmer wurden für die Ultrafiltrationsanlagen die Firma Inge AG aus Greifenberg für die Membranen, Richter Steuerungstechnik GmbH Krumme Fohre für Schaltschrank und Software, die Firma Zaunbau Weber aus Krumme Fohre für die Rahmen und Gestelle der Anlagen und die Firma Speck aus Pegnitz/Hersbruck gewonnen. Damit ist die Herstellung und Hilfsaktion eine rein bayerische Lösung, so Michael Otte in seinen Ausführungen.
Die Firmen WBG und W.E.T. werden sich nach dieser Hilfsaktion auch um Ausschreibungen der UN bewerben und so versuchen, mit dem lokalen Partner in Indonesien weitere Geschäftszweige zu erschließen. Erste Anträge für die Präqualifikation wurden bereits gestellt, weitere Anfragen kamen vom Wasserwirtschaftsamt Hof.
Was wir bieten ist Hilfe zur Selbsthilfe, so Michael Otte. Was nützt eine aufgebaute Anlage, die niemand warten kann.

Zur Erklärung:
Ein Seebeben vor Sumatra der Stärke 9 auf der Richterskala löste eine riesige Flutwelle aus. Tsunamis können sich bis zu 800 Kilometer pro Stunde fortbewegen und über 30 m hoch auftürmen und damit eine unglaubliche Zerstörungskraft entfalten. Diese Welle verursachte sogar in dem 5.000 km entfernten Somalia noch große Verwüstung. Vor Sumatra trifft die indisch-australische Platte auf die eurasische. Der Meeresboden zerbrach und riesige Flächen wurden um 10 m nach oben gedrückt. Diese Kraft hat massive geologische Auswirkungen: die Erdplatten haben sich um 30 m verschoben und ganze Inselgruppen liegen nun woanders auf der Landkarte. Die vermutete Zahl der Todesopfer liegt bei 200.000. Der Ruf nach einem Frühwarnsystem wird immer lauter.